U4-Bauarbeiten am Anleger Jungfernstieg
Auch wenn das Eis auf der Alster schon längst wieder geschmolzen ist, herrschen im Untergrund nach wie vor frostige Temperaturen. Minus 25 Grad Celsius wurden hier Mitte April gemessen – in einer Wand an der U-Bahn-Haltestelle Jungfernstieg. Das gefrorene Bauwerk am Ende des hinteren U2-Gleises trennt den im Oktober fertiggestellten Tunnelschacht der U4 von der zum Teil unter der Alster gelegenen Haltestelle.

„Der tiefgekühlte Bereich besteht aus zwei 1,50 Meter dicken Wänden und einem etwa 2 Meter breiten Abschnitt mit Erdreich“, erklärt Torsten Bremer, Projektleiter der Baustelle. „Um die U4 an das bestehende Netz anzuschließen, müssen die Wände durchbrochen werden. Eine Maßnahme, die besonderer Sicherheitsvorkehrungen bedarf. Denn auf dem Schacht stehen 20 Meter Alsterwasser. Damit die Wände nicht unter der Last einstürzen, müssen wir sie vor dem Durchbruch stabilisieren und absolut wasserdicht machen.“

Eis gegen Wasser
Dazu wird ein bewährtes, aber ungewöhnliches Bauverfahren angewendet: der bergmännische Durchbruch im Schutze einer Vereisung. „Die sicherste Methode, unter Wasser zu bauen“, so Torsten Bremer. „Wir haben damit bereits beim Bau der Notausstiege gute Erfahrungen gemacht. Das Eis kriecht in jede Ritze und dichtet den Schacht hermetisch ab. Das ist besonders wichtig, da sich in dem Erdreich Geröll und Reste vom Bau des U2-Tunnels befinden. Im sogenannten Düsschatten solcher Hindernisse kann sich das Alsterwasser leicht einen Weg in den Schacht bahnen. Ohne die Vereisung bestünde daher die Gefahr, dass dieser beim Durchbruch vollläuft.“

Für optimale Gefriergrade sorgt ein Generator auf der für die Dauer der Bauzeit aufgeschütteten Halbinsel neben dem U4-Pavillon. Etwa 40 Schläuche leiten minus 35 Grad Celsius kalte Flüssigkeit in die 20 Meter tiefe offene Baugrube und von dort in den etwa 5 Meter dicken Wandbereich. Um sicherzustellen, dass dieser durchgehend vereist ist, wurden sieben elektronische Temperaturmesslanzen installiert. „Nach etwa acht Wochen haben wir in allen Bereichen der Wand die erforderlichen Zieltemperaturen erreicht. Auch die Kontrollbohrungen haben ergeben: Es ist alles komplett vereist. Nun können wir mit dem Durchbruch beginnen“, verrät der Projektleiter.

Zwei Monate dauern die Arbeiten mit dem Schaufelbagger. Ab Mitte Juli 2010 wird der zweite U4-Schacht vereist. Spätestens Ende des Jahres, wenn V.E.R.A. wieder da ist, müssen beide Schächte an das Netz angeschlossen sein.
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