Ausheben & aufbauen

Gestern und heute

U-Bahn-Bau vor gut 100 Jahren? Das war Knochenarbeit, zwölf Stunden am Tag, sechs Tage in der Woche. Für Hamburgs erste U-Bahn-Strecke waren damals 3000 Bauarbeiter, darunter 500 Frauen, im Einsatz: Sechs Jahre lang, zwischen 1906 und 1912, haben sie die Ringlinie unter schwierigsten Bedingungen gebaut. Gewaltige Erdmassen mussten für 18 Kilometer Tunnel, Viadukte, Dämme und Einschnitte sowie Haltestellen bewegt werden. Neben Spaten, Spitzhacke und Schaufel standen den Bauarbeitern dabei nur wenige technische Hilfsmittel wie kleine Dampfbagger zur Verfügung.

Die Tunnelstrecke der Ringlinie wuchs, soweit es ging, in offener Bauweise: Für die Tunnel wurden Straßen und Wege aufgerissen und es entstanden riesige Baustellen. Überall in der Innenstadt und rund um die Alster wurde gehämmert, gerammt, geschaufelt, Bauschutt weg- und Eisenträger hingefahren. Lärm und Schmutz müssen unbeschreiblich gewesen sein. Immer wieder gab es unvorhergesehene Probleme. Vor allem das Wasser – aus allen Richtungen – machte schwer zu schaffen: Wassereinbrüche bei den Bauarbeiten an den Tunneln waren keine Seltenheit, Böschungen rutschten ab und Dämme brachen ein, wenn der nasse Boden bei Regen einfach wegschwamm. Spundwände, 1902 vom Bremer Baumeister Larssen entwickelt und noch aus Eisen, halfen, Baugruben vor allzu viel Wasser zu bewahren. Richtig dicht waren die Wände damals aber noch nicht. Am Rödingsmarkt, am Hafenrand oder in Eppendorf wurde die Viaduktstrecke in schweißtreibender Schwerstarbeit mit der Hand zusammengenietet.

Unbekannt waren damals Themen wie Umweltschutz oder Schutzmaßnahmen für Anlieger und Bauleute. Fragen, wie man denn die Belästigung durch Lärm und Staub beim Bau der U-Bahn-Strecke minimieren könne, waren noch nicht an der Tagesordnung.

Welch ein Kontrast zur heutigen Arbeitsweise. Wenngleich auch heute noch im Baugewerbe schwer gearbeitet wird, so ist doch dank des technischen Fortschritts und des zur Verfügung stehenden hochmodernen Maschinenparks vieles leichter geworden. Zwar werden immer noch Spundwände in die Erde gerammt oder gerüttelt, aber heute benutzt man dazu Spezialmaschinen, und die Spundwände sind nun wasserdicht. Die Technik der Schildvortriebsmaschinen, der „Tunnelbohrer“, ist weiter entwickelt worden und heute hochspezialisiert, Schlitzwände kann man bis tief in die Erde aus Beton gießen. Es gibt Lärmschutzmaßnahmen für Bauarbeiter wie Anwohner, und Umweltschutzmaßnahmen, um die Natur und das Ambiente zu erhalten. Vielfältige Hilfsmittel, Messgeräte, Maschinen und Materialien sorgen heute dafür, dass das Projekt U4 mit den schonendsten Bauverfahren für Menschen und Umwelt realisiert wird.