Ausheben & aufbauen

Tunnelbau in Schichten

Der wohl ungewöhnlichste Arbeitsplatz Hamburgs

Wie ein riesiger Wurm bohrt sich die Schildvortriebsmaschine namens V.E.R.A. (von der Elbe Richtung Alster) von der HafenCity Meter für Meter in Richtung Jungfernstieg. Eine besondere Herausforderung stellt der Hamburger Boden dar, durch den sie sich Tag für Tag kämpfen muss. „Dafür arbeiten 13 Personen pro Schicht zusammen, davon sieben unter Tage“, erzählt Bauingenieur Martin Geiger. Er ist als Bauleiter am wohl außergewöhnlichsten Arbeitsplatz Hamburgs für den Schildvortrieb verantwortlich. „Den Lehrberuf 'Schildfahrer' gibt es nicht“, erklärt er. „Deshalb arbeiten wir hier mit erfahrenen Leuten zusammen, die sich im Laufe der Zeit mit so einer Maschine vertraut gemacht haben.“ Dazu gehören zum Beispiel Schlosser, Elektriker, Betonbauer oder Mechaniker. „Vorne wird gebohrt und hinten kommt der fertige Tunnel raus“, fasst er zusammen.

Mit einer Lorenbahn zum Arbeitsplatz

Um zum Arbeitsplatz zu gelangen, geht es durch einen Treppenturm in den Schacht hinein und mit einer kleinen Lorenbahn, die auch Material transportiert, zur Maschine. „Die Züge, die wir hier in Betrieb haben, sind etwas größer als die, die man vom Bergbau kennt“, beschreibt Martin Geiger. „Rund zwei Meter hoch und fünf bis sechs Meter lang.“ Wer in den Tunnel hineinfährt, erblickt erst einmal jede Menge Stahlbau. Die Schildvortriebsmaschine ist von hinten offen, so kommt jeder an seinen Arbeitsplatz.

Platzverhältnisse wie in einem U-Boot

Obwohl die Maschine mit einem Durchmesser von 6,57 Metern und einer Länge von 74 Metern riesig ist, wird es für die Arbeiter dort eng. „Von den Platzverhältnissen erinnert es am ehesten an ein U-Boot“, meint Martin Geiger. Und wie auf einer normalen Baustelle auch wird es sehr laut sein unter Tage. „Dafür ist es auch angenehm warm, so um die 25 Grad, im Winter wie im Sommer.“ Und es gibt einen Container, in dem die Tunnelbauer ihre Pausen machen können.

Multitasking im Tunnel

Zu den sieben Mitarbeitern unter Tage gehören ein Schlosser, ein Elektriker, ein Schildfahrer, ein Kranfahrer, zwei Ringbauer und ein Schichtmeister. Der Schildfahrer sitzt in einer schalldichten Fahrerkabine, dem Steuerstand, und steuert den Vortrieb. Außerdem fährt er den so genannten Erektor. Mit dieser Maschine werden die Betonteile, Tübbinge genannt, für die ringförmige Innenverkleidung des Tunnels in die richtige Position gebracht. Die Ringbauer bauen die Tübbinge mit Hilfe des Erektors ein und müssen dabei genau darauf achten, welches Einzelteil in welche Position gehört. Damit die Tübbinge von der Lorenbahn zum Vorderende der Maschine gelangen, lädt der Kranfahrer sie auf ein Förderband, das die Betonteile zum Erektor transportiert.

Dabei wird keiner der Arbeiter nur an einer Stelle der Maschine beschäftigt sein. Alle müssen mehrere Tätigkeiten ausführen und sehr flexibel sein. „Einer der Ringbauer bedient zum Beispiel auch die Mörtelpumpe. Der Kranfahrer verlängert hinten auch die Rohre. Und der Elektriker und der Schlosser arbeiten auf der gesamten Maschine, je nachdem, wo etwas anliegt“, zählt Martin Geiger auf. „Die Leute sind immer beschäftigt.“ Und für das Engagement gibt es auch Lob: „Die Truppe, die wir jetzt speziell für die U4 haben, die ist klein, aber fein!“