Am 1. April startete die Schiffsreise in Kehl am Rhein. Nach über 1.000 Kilometern quer durch Deutschland erreichte der Tunnelbohrer heute die Baustelle für die neue Hamburger U-Bahn-Linie U4 am Überseequartier.
Über den Rhein, den Rhein-Herne-Kanal, den Dortmund-Ems-Kanal, den Mittellandkanal, den Elbe-Seiten-Kanal und schließlich die Elbe transportierte die MS Kapstadt der Imperial Reederei aus Duisburg den U4-Tunnelbohrer sicher zum Kreuzfahrtterminal im Hamburger Hafen. Mit einem Kran wird der in Einzelteile zerlegte Tunnelbohrer – darunter auch das 61 Tonnen schwere Schneidrad – aus dem Schiff gehoben und auf einem Schwertransporter geladen, der den Transport auf den letzten Metern zur Baustelle übernimmt. In den kommenden Tagen werden die Einzelteile in den Startschacht gehoben und dort montiert.
Die komplette Tunnelbohrmaschine (fachsprachlich Schildvortriebsmaschine) ist 74 Meter lang, hat einen Durchmesser von 6,57 Metern und wiegt insgesamt 650 Tonnen. Gebaut wurde sie in Schwanau (Baden-Württemberg) bei der Herrenknecht AG, einem der weltweit führenden Hersteller von Schildvortriebsmaschinen. Derzeit ist die Tunnelbohrmaschine noch ohne Namen. Die HOCHBAHN hat einen Wettbewerb für die Namensfindung gestartet. Bis zum 22. April können Vorschläge unter www.hochbahn.de eingereicht werden.
Der Tunnelbohrer wird die beiden 2,8 Kilometer langen Tunnelröhren der U4 graben. Dabei wird er von Elektromotoren angetrieben und drückt das 61 Tonnen schwere Schneidrad gegen das Erdreich, die sogenannte "Ortsbrust". Das Erdreich wird mit Rollenmeißeln, Schälmessern und Räumern abgebaut, Steine werden zerkleinert, der gesamte Abraum dann in einer Bentonitflüssigkeit abgepumpt. Gleichzeitig wird die Tunnelröhre mit Tübbingen ausgekleidet. Jeweils sieben dieser gerundeten Betonelemente bilden kreisförmig eingesetzt einen Tunnelring. An dem verlegten Tübbingring setzen dann die Hydraulikpressen des Tunnelbohrers an, um die gesamte Maschine weiter nach vorn zu drücken.
Bei einer durchschnittlichen Vortriebsgeschwindigkeit von zehn Metern pro Tag erreicht der Tunnelbohrer nach 40 Wochen den Zielschacht auf dem Anleger Jungfernstieg. Dort wird der Bohrkopf von der Maschine getrennt, aus dem Schacht herausgehoben und in die HafenCity zurücktransportiert, während die eigentliche Maschine durch die Tunnelröhre zurückgezogen wird. Im Juni 2009 bricht der Tunnelbohrer zu seiner zweiten Fahrt in Richtung Innenstadt auf, wo er im Frühjahr 2010 ankommen wird.
Weitere Informationen zum U4-Projekt unter: www.hochbahn.de
- PDF Download U4-Tunnelbohrer angekommen
- PDF Download Technische Daten
- Skizze Tunnelbohrer mit Erklärung